Walther von der Vogelweide

Walther von Stollberg - Walther von der Vogelweide

 

                                                     Übersetzung ins Neuhochdeutsch:

„Ich saz ûf eime steine                   „Ich saß auf einem Stein,
Und dahte bein mit beine:                und bedeckte das eine Bein mit dem anderen
Dar uf satzt ich den ellenbogen:        darauf setzte ich meinen Ellenbogen,
Ich hete in mîne hand gesmogen      ich hatte in meine Hand geschmiegt,
Daz kinne und mîn wange…“            das Kinn und meine Wange…“


Walther von der Vogelweide ist einer der bekanntesten deutschen Lyriker des Mittelalters.
Sein Leben ist und das Jahr seiner Geburt sind umstritten. Sicher ist, dass er am Wiener Hof unter Reinmar das Dichten gelernt hat. Er hat etwa zwischen 1170- 1230 gelebt.
Sicher ist auch, dass er weit  herum gereist ist und mit Reinmar und Neidhart Dichterfehden austrug Über den Geburtsort ist im Laufe der Jahrhunderte schon oft spekuliert worden: viele Orte und Landschaften nehmen Walther für sich in Anspruch. 


Der Würzburger Studiendirektor a.D. Gerhard Wagner rückte mit seiner 40-seitigen Veröffentlichung im Mainfränkischen Jahrbuch für Kunst und Geschichte den Minnesänger wieder ins  öffentliche Interesse, indem er ihn in seinen Ausführungen mit dem Steigerwaldort Handthal bzw. Herlheim in Verbindung brachte.


Die Stollburg im Steigerwald war zunächst eine einfache Wehrburg . Dort wurde wahrscheinlich Walther von der Vogelweide 1169 geboren. Als Erstgeborener der beiden Söhne Walters von Rothenburg, der den Hof Oberschwarzach als Lehen zugesprochen bekommen hatte, wurde der bekannte Minnesänger auch in der Kirche Peter und Paul getauft. Der Name Walthers erinnert möglicherweise daran, dass er als Kind der Vogeljagd nachging und sich dabei am Vogelherd im heutigen Handthal (Hagental=hantal) aufhielt.  Nach dem frühen Tod seines Vaters wuchs er unter der Obhut seiner Mutter auf der recht einsamen Stollburg auf. Der Sohn zeigte jedoch offensichtlich wenig Interesse daran, sein Lehen zu einer Rodungsherrschaft rund um die Burg aufzubauen. Es trieb ihn zu der Teilnahme an einem Kreuzzug in die Ferne. Als Knappe des Bischofs Gottfried von Würzburg nahm er das Kreuz und reihte sich in das Aufgebot ein. In einem seiner bekannten Gedichte schildert er den festlichen Empfang der Kreuzfahrer. Von da an widmete er sich dem Minnesang am Babenberger Hof in Wien, da er zu den 500 Kreuzfahrern gehörte, die der Kaiser in Wien behielt.

                                                                                


Als Sterbeort nimmt Gerhard Wagner Herlheim im Landkreis
Schweinfurt an, wo Walther den dortigen Bischofshof als
Lehen inne hat. Nach seinem Tod wird er auf Weisung des
Bischofs Hermann von Lodeburg nach Würzburg überführt
und dort im Neumünstergang beigesetzt.
  

       
Quellenverzeichnis:
 
dtv-Atlas zur deutschen Literatur, München 2003
Der Steigerwald, 24. Jahrgang, April 2004, Nr.2

 

Bearbeitet von Guido Plener, TATO Oberschwarzach